Fruktoseintoleranz – ein Überblick

Furktoseintoleranz_Ancora_Arte
Laktoseintoleranz und Glutenunverträglichkeit ist schon seit einigen Jahren in aller Munde. Auch die Geschäfte sind voll mit Produkten, die geeignet sind für unterschiedliche Sonderdiäten.  Dabei scheint eine Unverträglichkeit ziemlich unterzugehen: die Fruktoseintoleranz, auch Fruktosemalabsorption genannt. Ich persönlich habe erlebt was es heißt jahrelang unter Bauch- und Kopfschmerzen zu leiden. Und das ohne zu wissen, wieso. Als ich schlussendlich die Diagnose gehabt habe, war ich erleichtert. Anderseits hat sich ziemlich schnell eine erneute Verzweiflung breit gemacht: Was ist das? Was jetzt? Was darf ich überhaupt essen? Dieser Post soll eine hilfreiche Zusammenfassung und Überblick über das Thema Fruktoseintoleranz geben.
  1. Hintergrundinformation
  2. Ursachen
  3. Symptome
  4. Diagnose
  5. Therapie

1. Hintergrundinformation

Als erstes ist es wichtig zwischen zwei Arten von Fruktoseintoleranz zu unterscheiden. Erstens gibt es die sogenannte hereditäre Fruktoseintoleranz. Dabei spricht man von einer Erbkrankheit. Sie manifestiert sich bereits im Säuglingsalter  und kann potenziell lebensbedrohlich sein. Wenn du nähere Informationen hierfür haben möchtest, kann ich Orphanet sehr empfehlen. Diese Homepage hat sich auf seltene Erkrankungen spezialisiert. Bei diesem Blogpost geht es allerdings um die zweite Art der Fruktoseunverträglichkeit. Man spricht auch von der intestinalen Fruktoseintoleranz oder Fruktosemalabsorption. Diese ist zwar weitaus ungefährlicher als die hereditäre Form, aber um einiges häufiger. Mittlerweile geht man davon aus, dass in Europa und Nordamerika 1 von 3 Erwachsenen und 2 von 3 Kleinkindern betroffen sind.
Prävalenz Fruktoseintoleranz Ancora Arte

2. Die Ursache der Fruktoseintoleranz

Um dir die Ursache der Fruktoseintoleranz näher zu bringen, lade ich dich ein eins meiner Lieblingsorgane und seine Funktionen näher kennenzulernen: den Darm.

Dünndarm und Dickdarm Ancora Arte

 2.1 Der Darm

Er besteht aus dem Dünndarm und dem Dickdarm. Eine genauere Unterteilung erfolgt je nach Funktion und Anatomie. Der Dünndarm hat bei einem Erwachsenen die Länge von ca. 6 Metern. Durch unterschiedliche Körpersäfte, wie der Galle, dem Bauchspeicheldrüsensaft, Magensaft, etc. werden Nährstoffe in kleinste Teile gespalten. Anschließend werden sie dann über die Dünndarmschleimhaut in den Blutkreislauf aufgenommen.

 2.2 Die Spaltung von Zucker

Vielleicht sind dir manche Begriffe noch aus dem Biologie- oder Chemieunterricht, irgendwo ganz hinten in deinem Gehirn, ein Begriff.

Es gibt Moleküle (Enzyme), deren Aufgabe es ist, Stoffe zu Spalten und sie so kleiner zu machen. Diese zerlegen unter anderem Zweifachzucker (auch Disaccharide genannt) in kleine Teile, sogenannte Einfachzucker (Monosaccharide). Du kannst dir das grob wie einzelne Legosteine (Einfachzucker) vorstellen. Je nachdem wie man sie zusammensteckt, kommen unterschiedliche Bauwerke (Mehrfachzucker) zustande.

Zuckerarten Ancora arte

Diese Nährstoffe müssen zerlegt werden, damit spezifische Transporter sie anschließend über die Darmwand in die Blutbahn befördern können. Von dort werden sie dann in andere Bereiche des Körpers transportiert, um weitere Aufgaben zu erledigen. Cool, oder?

 2.3 Fruktoseintoleranz und Transporter

Neben Glukose und Galaktose, ist auch Fruktose eines dieser Einfachzucker. Was ist nun das Problem bei der Fruktoseintoleranz?

Hierbei handelt es sich um einen Transportermangel. Das heißt, es stehen nicht genügend Transporter zur Verfügung, die diese Einfachzucker in die Blutbahn befördern können. Somit kommt es zu einer Ansammlung von Fruktose im Dünndarm, und sie gelangt unverdaut weiter in den Dickdarm.

Darm bei Fruktoseintoleranz Ancora Arte

Das Problem dabei ist, dass im Dickdarm die Fruktose nun von Darmbakterien aufgenommen und verdaut wird. Die Stoffwechselprodukte dieser Bakterien sind wiederum die Bösewichte, die dann zu den Beschwerden führen. Theoretisch kann also jeder Mensch, der zu viel Fruktose zu sich nimmt die Transporter überlasten. Von einer Fruktoseintoleranz spricht man allerdings, wenn bereits weniger als 25g Fruktose zu Beschwerden führen. Ein Apfel kann z.B., abhängig von der Sorte, einen Fruktosegehalt von 29g pro 100g haben.

Spannend ist, dass man bis jetzt nicht genau weiß wie dieser Transportermangel genau entsteht. Er kann auch mehr oder weniger plötzlich auftreten und ungefähr genauso überraschend wieder verschwinden. Häufiger scheinen Frauen betroffen zu sein, aber hierfür gibt es bald einen eigenen Beitrag.

 

3. Symptome bei Fruktoseintoleranz

Das gemeine dabei ist, dass die Symptome sehr vielfältig sein können. In der Fachliteratur sind Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Fettlebererkrankung, Zink- und Folsäuremangel, depressive Verstimmung, Kopfschmerzen und vieles mehr beschrieben. Das sind teilweise sehr unspezifische Symptome, weshalb die Diagnosestellung nicht immer so einfach ist.  Patienten und Patientinnen leiden oft jahrelang unentdeckt unter den Symptomen.

 

4. Diagnose einer Fruktoseintoleranz

Bei vielen Betroffenen kann es sehr lange dauern bis endlich die Ursache für die Beschwerden gefunden werden. Ein Grund dafür ist unter anderem, dass die Testmethoden nicht bei jedem anschlagen.

Im Endeffekt gibt es zwei Methoden eine Fruktoseunverträglichkeit festzustellen. Entweder man hält eine bestimmte Zeit (mein Arzt hat mir damals zwei Wochen vorgeschlagen) eine strenge fruktosefreie Diät ein und schaut, ob die Symptome besser werden. Oder man macht einen H2-Atemtest (Wasserstoffatemtest), wo bestimmte Gase, die die Bakterien bei der Verstoffwechselung von Fruktose von sich geben, bestimmt werden.

Bei der strengen Diät ist das Problem, dass die Verwirrung was man jetzt essen darf oder nicht sehr groß ist, besonders am Anfang. Außerdem braucht der Körper eine gewisse Regenerationszeit. Bei mir hat die auf jeden Fall um einiges länger gedauert als 2 Wochen.

Bei einem Atemtest trinkt man eine Flüssigkeit, meist mit Fruktose gesüßten Tee, und versucht bei dieser überschießenden Reaktion die Gasbildung in der Ausatemluft zu messen. Dieser Test ist zwar gut, aber einen negativen Test zu haben bedeutet nicht automatisch, dass man keine Fruktoseintolleranz hat.

 

 

5. Therapie bei Fruktoseintoleranz

Derzeit ist eine Heilung einer Fruktoseintolleranz nicht möglich. Eine Therapie heißt hierbei eine fruktosearme Diät zu führen. Wichtig: fruktosearm und nicht komplett fruktosefrei. Denn die Dosis macht das Gift. Außerdem wird der Einbau von den oben genannten Zuckertransportern auch durch Fruktose getriggert.

In der Regel wird nach der Diagnose eine Karenzphase empfohlen, bei der eine besonders strenge Diät eingehalten werden soll. Dies soll dem Körper die Möglichkeit geben einmal aufzuatmen und sich zu erholen. Danach werden Lebensmittel Schritt für Schritt wieder in den Ernährungsplan eingeführt. So soll auch gleich festgestellt werden können, welche Lebensmittel vertragen werden, und welche nicht (das kann von Person zu Person doch recht unterschiedlich sein).

Bald gibt es einen Beitrag zu dem Thema, welche Nahrungsmittel gut verträglich sind und von welchen man lieber die Finger lassen sollte.

Das klingt nicht nur kompliziert, sondern ist es zugegebener Weise auch. Gott sei Dank gibt es mittlerweile super Blogs und Apps, die einen da helfen können.

Es gibt auch Medikamente, die ein Enzym beinhalten, die Fruktose in Glukose umwandeln soll. Leider ist die Studienlage da allerdings noch recht dünn.

Aber eine fruktosearme Ernährung heißt, Gott sei Dank, nicht, dass man auf alles was süß ist und gut schmeckt verzichten muss. Sie kann viel Freude bereiten, lecker sein und eine neue Kreativität in dir entfalten. Einige Rezepte findest du auch hier auf diesem Blog! Und glaub mir, wenn die Beschwerden einmal weg sind, ist diese Art der Ernährung es allemal wert!

Ich hoffe dieser Beitrag war hilfreich!

Ciao,

Rebeka

Mir sind hochwertige Informationen sehr wichtig. Deshalb versuche ich zu “zitieren”, indem ich weiterführende Seiten mit mehr Informationsgehalt verlinke.

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Rebeka

…studiert Medizin und ist geborene Ungarin: „Wenn man mich nicht zuhause beim Lernen findet, bin ich wahrscheinlich im Caféhaus in einem Gespräch verwickelt oder im Museum. Meine Seele baumeln lassen kann ich am besten bei semispontanen Reisen oder beim Surfen.“